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Feature in SILVER 14

/ 23 Dezember 2007

Dec 23 2007

In der Ausgabe 14 des Magazins SILVER, welches vom Internet-Provider Silver Server herausgegeben wird, schreibt Stefan G. Weichinger über E-Commerce-Software.

E-Commerce – Die Software der Shops

Das Geschäft mit dem Geschäft …

Mit der zunehmenden Verbreitung des Breitband-Internets wurde in den 1990er Jahren auch das Online-Shopping zu einem gängigen (und oft ausschliesslichen) Vertriebskanal für viele Firmen. Die Kosten für den Händler verlagern sich: statt hohen Mieten für Geschäftsräumlichkeiten und Verkaufspersonal investiert man jetzt in Hardware, Leitungen und natürlich auch in die Software des Online-Auftritts.

Ein moderner Online-Shop ist eine umfassende und komplexe Software-Lösung, die vielfältige Anforderungen abdecken muss. Kundenverwaltung, Bestellverwaltung, Abgleich mit diversen Lagerständen, Abwicklung von Kundenanfragen, Präsentation von Produkten, …. daraus resultieren mächtige datenbankbasierte Web-Applikationen, die Schnittstellen zu Bestellsystemen, Faktura-Software und Buchhaltung bereitstellen, robust, schnell und rund um die Uhr erreichbar.

Daraus entwickelte sich ein neuer Markt: Softwarehäuser, die leistungsfähige und sichere Shop-Software entwickeln und anbieten, wurden zu wichtigen Partnern für grosse Handelshäuser, aber auch für kleine Unternehmen, die auf diesem modernen Vertriebsweg neue Märkte erschliessen wollen.

Ein bekanntes Beispiel war und ist das deutsche Software-Haus Intershop. Entstanden aus einem kleinen Handelsunternehmen für PCs stellte Intershop 1994 die erste Version seines E-Commerce-Systems vor, die weltweit erste voll funktionierende Lösung für diesen Bereich. Ein wesentliches Merkmal war, daß die Software von Intershop eine umfassende Komplettlösung darstellte, keine Insellösung. Alle für E-Commerce erforderlichen Bereiche wurden davon abgedeckt, alles aus einer Hand und integriert, so war es zum ersten Mal möglich, ohne das aufwendige Schaffen und Pflegen von Schnittstellen mit der Software eines einzelnen Anbieters zu arbeiten. Der damit verbundene Nachteil einer starken Abhängigkeit sei nicht verschwiegen, das gesamte Geschäftsmodell ist darauf aufzubauen, und ein Wechsel zu einer anderen Software ist dann schon aus rein wirtschaftlichen Gründen sehr schwierig.

Mit ihren Produkten wurde die Firma zum “rising star” der new economy, expandierte in die USA, ging an die Börse, und wurde zu einem der Gewinner des Neuen Marktes. Doch dabei blieb es nicht, 2001 kam die Krise und Intershop begann zu trudeln, 2003 zog sich einer der Firmengründer aus dem Vorstand zurück, Mitarbeiter wurden entlassen, aus den Splittern des Großunternehmens entwickelten sich in und um den Firmenstandort in Jena neue Kooperationen und Firmen, die wiederum Dienstleistungen und Software im Bereich des E-Commerce anbieten. Trotz der Tatsache, daß laut Auskunft der Firma sechs der zehn umsatzstärksten deutschen E-Commerce-Portale mit Software aus Jena laufen, kämpft Intershop mit massiven wirtschaftlichen Problemen. Ein Musterbeispiel für Aufstieg und Fall in der New Economy …

Intershop ist plaziert als Lösung für die ganz grossen Schwergewichte, doch in den Gefilden der KMUs sind kleinere Modelle gefragt. Als kostengünstige Alternativen bieten sich hier OpenSource-Systeme an, oder man mietet seinen Webshop einfach.

Die OpenSource-Gemeinschaft bringt – wie erwartet – qualitativ Hochwertiges hervor. Zum Beispiel osCommerce, eine frei verfügbare Shop-Lösung mit breiter Funktionalität, die in mehreren Tausend Installationen weltweit produktiv im Einsatz ist. Dieses OpenSource-Produkt bringt eine breite Palette an Features und muss den Vergleich mit kommerziellen Produkten nicht scheuen. Aber auch zB ZenCart — http://www.zencart.com ist ein sehr brauchbares Produkt aus diesem Sektor.

Wer selbst nicht die Zeit oder die Qualifikation hat, selbst einen Server dafür zu betreiben, findet im Mietbereich diverse interessante Angebote.

Ein Vertreter dieses Bereichs ist zB. Shopify — http://www.shopify.info/
aber auch viele Webhoster vermieten vorkonfigurierte Webshops.

Teilweise läuft das sogar gänzlich ohne Kosten ab, die Seite wird durch Werbung Dritter finanziert. Wer das auf seinem Shop nicht will, wählt eben kostenpflichtige Lösungen der nächsten Grössenordnung. So wird auch dem ambitionierten Einsteiger ermöglicht, ohne grosse Anfangsinvestitionen und technischen Aufwand einen funktionierenden Webshop zu starten. Meist bieten diese Dienste gleich auch die Plazierung des Shops auf diversen Informationsportalen an, damit wird gewährleistet, daß auch Kunden ins Geschäft finden.

Egal, welche Wahl man trifft, eines der Muss-Features ist die Sicherheit: Die Identität des Käufers muss geschützt werden, Transaktionen sollten möglichst verschlüsselt stattfinden, ganz besonders dort, wo es um die Übertragung von Daten wie Konto- und Kreditkarten-Nummern geht. Ein gängiger Mechanismus zum Schutz ist die Verwendung von SSL (Secure Sockets Layer) zur Verschlüsselung der gesamten Kommunikation zwischen Browser und Web-Server, aber auch die Authentifikation des Servers gegenüber dem Client (“Hier ist mein Zertifikat, ich beweise damit, daß ich tatsächlich der Server der Firma XY bin …”) wird dadurch abgedeckt.

Die diversen modernen Anforderungen an Online-Shops und deren breite Nutzung im heutigen Geschäftsleben haben auch hier zur Formulierung und Standardisierung gewisser Gütemerkmale geführt. Es gibt mittlerweile Gütesiegel wie “Trusted Shops”, die in Form einer Zertifizierung des jeweiligen Shops die Qualität prüfen und in Folge gewährleisten. Dies führt zu einer Standardisierung und Vergleichbarkeit der wichtigsten Eigenschaften wie Sicherheit, Datenschutz, und Transparenz, was der Seriosität von E-Commerce-Portalen zuträglich und für wachsende breite Akzeptanz dieser relativ jungen Vertriebsform unerlässlich ist.

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